Es folgen meine Tipps für Betroffene von Long Covid und deren Angehörige. In diesem Teil geht es vornehmlich um die Klärung des Mindsets. Mir ist natürlich bewusst, dass das alles viel leichter gesagt ist, als getan.
Dieser Text bezieht sich auf dieses Video.
Akzeptanz der Situation
Der Mensch als Lebewesen unterliegt grundsätzlich einem typischen psychologischen Ablauf bei der außeinandersetzung mit Veränderungen. Das „7-Phasen-Modell“ aus dem Veränderungsmanagement teilt den Umgang mit Wandel und Veränderung – wie könnte es anders sein -in 7 Phasen ein:
- Schock: Konfrontation mit der neuen Situation; Fehlen von bekannten Handlungsmustern; Sinken der Kompetenz, mit der Veränderung umzugehen; mögliche Lähmung bzw. Blockierung der Leistung.
- Verneinung: selbst eingeschätzte Kompetenz steigt wieder; dadurch entsteht eine mögliche Behinderung eines Lernprozesses; Verneinung bzw. Protest gegenüber der Veränderung; schwierig zu überwinden.
- Einsicht: eigene Unfähigkeiten werden erkannt; Frustration, Verunsicherung, Enttäuschung und Verwirrung können steigen.
- Akzeptanz: die neue Situation wird einschließlich der selbst eingeschätzten eigenen Fähigkeiten akzeptiert; Unterstützung und Fokussierung auf vorhandene Stärken notwendig bzw. hilfreich.
- Ausprobieren: Übung in der neuen Ausgangslage; Mut notwendig; Unterstützung ist auch hier hilfreich.
- Erkenntnis: Erfahrungen und Fähigkeiten werden gesammelt; Bewusstwerdung der neuen Situation.
- Integration: die neuen Fähigkeiten werden umgesetzt, Selbstwirksamkeit steigt; Abschluss der Veränderung, individuelle Lernkurve im Umgang mit neuartigen, tiefgreifenden Veränderungen steigt
Das Problem: Während der Zeit, die man als kranker Mensch und Angehöriger mit Schock und Verneinung verbringt, hat man die Möglichkeit, viele Ressourcen zu verbrauchen, die man viel dringender für den Erhalt des Status Quo benötigen würde. Es ist deshalb wichtig, so schnell wie möglich die ersten beiden Phasen zu überwinden und die Phase der Einsicht abzuschließen, um so viel Kraft wie möglich für die letzten 3 Phasen aufzubewahren. Hier sei betont, dass die Phasen 5 und 6, also Ausprobieren und Erkenntnis, die anstrengensten und zermürbendsten sind auf dem Weg zu einem neuen Alltag.
Faktisch führt kein Weg daran vorbei, die Situation zu akzeptieren, wenn man beabsichtigt, eine Reelle Chance auf Genesung zu haben. Das Rationalisieren der Situation, also das Beschreiben des Ist-Zustandes hilft dabei, sich der Dimensionen bewusst zu werden und nicht in energieraubendes Selbstmitleid zu verfallen.
Eine Hilfe, den Zustand standardisiert einzuordnen, stellt hierbei die BELL-Skala (Quelle:https://www.fatigatio.de/)
Pragmatismus
„Der Ausdruck Pragmatismus (von altgriechisch πρᾶγμα pragma „Handlung“, „Sache“) bezeichnet umgangssprachlich ein Verhalten, das sich nach situativen Gegebenheiten richtet, wodurch das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt wird.“ – Wikipedia
Oberstes Ziel muss es zu Beginn der Erkrankung sein, den Ist-Zustand zu stabilisieren und so gut wie möglich zu erhalten, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt ist, inwieweit die regenerativen Fähigkeiten des Körpers funktionieren bzw. eingeschränkt sind. Jede Überanstrengung und Überlastung gilt es zu vermeiden.
Je mehr man sich mit den Herausforderungen außeinandersetzt, desto leichter lassen sich pragmatische Lösungswege finden. Sei es ein Gehstock bei Gleichgewichtsstörungen, ein Duschhocker, Handschuhe mit Klettstreifen bei wenig Kraft in den Händen oder Klettschuhe oder oder oder. Das Denken außerhalb der Box, außerhalb des gewohnten Rahmens ist schwierig mit Brainfog und fordert viel Energie. Einmal gelöst, wird es aber langfristig unglaublich viel Kraft sparen.
Wichtig ist, unvoreingenommen Lösungen und auch unkonventionelle Ansätze gleichermaßen in Betracht zu ziehen
Meine grundlegende Strategie zur pragmatischen Lösung von Problemen in wenigen Schritten lässt sich so veranschaulichen:
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Ärztliche Betreuung
Medical Gaslighting hat im Kontext mit Corona, Long und Post Covid und auch Impfschäden einen neuen und traurigen Höhepunkt erreicht. Umso wichtiger ist eine ärztliche Betreuung, die die Situation ernst nimmt, zuhört und kompetent ist, sich mit neuen Herausforderungen ohne Königsweg außeinanderzusetzen. Hier empfiehlt es sich allgemein – besonders aber ob des nach wie vor verbreiteten Sexismus in der Medizin für Frauen – , zum Vorstellen bei bestehenden und neuen Ärzten, eine Person des Vertrauens um Begleitung zu bitten, die über die Beschwerden und Einschränkungen informiert ist und als Unterstützung und „Außenstehender“ den Gesprächen beiwohnen kann.
